Das teleskop mit veloursfolie auskleiden

Es gibt ein paar effektive und gar nicht mal teure Maßnahmen, um die Qualität seiner Astrofotos spürbar zu verbessern. Dabei geht es in erster Linie darum, die gewollten Photonen auf die Aufnahme zu bekommen und die ungewollten auszusperren.

Ungewollt sind z.B. Reflexionen oder einfallendes Streulicht. Streulicht kann durch Straßenlaternen, Lampen im Allgemeinen oder auch durch den Mond entstehen. Reflexionen können von Teilen des Tubus auf die Spiegel gelenkt werden und damit auf die Aufnahme gelangen. Dort machen sie sich dann z.B. als unschöne Streifen oder Schleier bemerkbar.

Ein Blendenring am Hauptspiegel oder einer Tau- bzw. auch Streulichtkappe helfen ebenfalls, das zu minimieren. Hier geht es jetzt aber darum, das Teleskop mit Veloursfolie auszukleiden (gilt nur für Newton-Teleskope). Diese hat neben der möglichst tiefschwarzen Farbe durch ihre raue, faserige Oberfläche die Eigenschaft, das ungewollte Licht zu schlucken.

Ich habe mir eine Rolle selbstklebenden Samtstoff bestellt und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich habe den Stoff schon über zwei Jahre verarbeitet und er hält bombenfest! Nachfolgend zeige ich Euch, wie die Beklebung vonstatten gegangen ist. 

Die Ausgangssituation: Das Teleskop ist aufgebaut und der Tubus in die Waagerechte gebracht. So kann man am besten daran arbeiten.

Die seitlichen Schrauben am Hauptspiegel wurden gelöst und dieser abgezogen. Nun ist das Innere vom Tubus von dieser Seite zugänglich. 

Der Okularauszug wurde ebenfalls entfernt. Dafür müssen die Muttern im Inneren des Tubus bei Lösen der Schrauben festgehalten werden. Dabei muss man darauf achten, dass die Muttern nicht herunterfallen und evtl. auf einem der Spiegel landen und diesen zerkratzen!

Als nächstes sollte der  Fangspiegel wie folgt ausgebaut werden: Mit einer Hand festhalten und mit der anderen die zentrale Schraube lösen. So kann er nicht in den Tubus fallen. Anschließend die empfindliche Spinne abschrauben. Nun ist der Tubus freigelegt.

Nach einer gründlichen Reinigung des Inneren kann es nun losgehen: Von der Folie werden zunächst ungefähr 3cm der Trägerschicht weggeschnitten. Dann sollte die Folie exakt an der Nut entlang festgeklebt werden. Da wir ja nur mit 3 klebrigen cm kämpfen, geht das gar nicht so schwer.

Damit ist die Folie fixiert und das Schlimmste geschafft! Jetzt kann man Stück für Stück z.B. in 20cm-Schritten wieder die Trägerschicht entfernen und an der Folie entsprechend im Tubus entlangstreichen und diese damit festkleben. Schon jetzt sieht man den Unterschied von vorher zu nachher deutlich.

Das fertige Ergebnis: Das Bild spricht für sich. Im Vergleich zu Abbildung 4 ist die Helligkeit und die Lichtspiegelung massiv zurückgegangen.

Als Kirsche auf der Sahne kann man nun noch die Beine der Fangspiegelspinne mit Velours bekleben. Auch das vermeidet weitere Lichtreflexionen.

Nach dem Einbau aller Komponenten sieht man deutlich, wie wenig störendes Licht jetzt nur noch im Tubus ist.

Ich hoffe, diese kleine Dokumentation hat Dich ermutigt, selber auch in dieser Richtung aktiv zu werden. Ich kann es nur empfehlen. Nach dem Zusammenbau muss das Teleskop natürlich komplett neu justiert bzw. kollimiert werden.

Der Vollständigkeit halber sei folgendes erwähnt: Diese Hinweise und Tipps sind nur bei Newton-Teleskopen anwendbar. Für Teleskope anderer Bauart gilt dieses hier nicht. Zudem übernehme ich auch keine Haftung, wenn beim Nachahmen dieses Umbaus etwaige Schäden entstehen.